Immobilien: Sanierung mit SNBS-Zertifikat

Ein sanierter Oldtimer an der Huttenstrasse

Moderner Ausbaustandard in altem Gemäuer. Dafür sind grosse Anstrengungen notwendig. An der Huttenstras-se hat die BVK mit Erfolg nachhaltig saniert.

Erinnern Sie sich an das Jahr 1907? Wohl kaum. Der Bundesrat bestand aus sechs FDP- und einem CVP-Mitglied. Im Jahr 1907 wurde Persil auf den Markt gebracht, die Securitas AG gegründet und dem Franzosen Paul Cornu glückte mit seinem «fliegenden Fahrrad» der weltweit erste Flug eines Hubschraubers – in einer Höhe von 30 Zentimetern über dem Boden und mit 20 Sekunden Flugdau-er ...

Das Gebäude an der Huttenstrasse 52 in Zürich ist ein Zeuge des Jahres 1907. Es wurde in diesem Jahr gebaut. Im Laufe der Ge-schichte wurde es natürlich immer mal wieder etwas angepasst und instandgehalten. Doch der Zahn der Zeit nagte unerbittlich am Zeitzeugen. Um weiterhin den heutigen Ansprüchen und Vorgaben gerecht zu werden, wurde eine Totalsanierung notwendig. Die BVK – Eigentümerin seit 1970 – nahm das Unterfangen in Angriff. 

Wie saniert man unter Denkmalschutz?

Es galt, einen Oldtimer fachgerecht mit möglichst vielen Originalteilen, aber gemäss den aktuellen Standards fahrtauglich zu ma-chen. Zumindest so fasste Architekt Mark Burkhard die Arbeiten zusammen. Nebst den grundsätzlichen Erneuerungen wie Leitun-gen, Steigzonen oder Heizung wollte man auch Annehmlichkeiten wie hochwertige, moderne Küchen, Nasszellen und einen Lift realisieren. Dazu kamen die BVK-Grundsätze der Nachhaltigkeit. Und, um das Ganze noch etwas zu erschweren: Das Haus steht unter Denkmalschutz. 

Das heisst, dass man nicht einfach drauflosbauen und sanieren kann, wie man möchte, sondern wichtige Bauteile und Gebäu-destrukturen so erhalten muss, wie sie ursprünglich gebaut wurden. Beibehalten werden mussten die teilweise in Blei gefassten Buntglasfenster oder die Wohnungstüren, die mit Glaseinlegearbeiten verziert sind. Dämmung auf die Aussenhaut anzubringen, war ebenfalls schwierig, da nicht einfach Dämmmaterial aufgetragen werden konnte, ohne zu sehr ins Aussehen der Liegenschaft einzugreifen. 

Türen als Hightech-Sandwich

Für die Dämmung wurde deshalb im Aussenbereich wo möglich mit einem dünnschichtigen Aerogel-Hochleistungsdämmputz gear-beitet, der die Dicke der zusätzlichen Dämmung auf 3,5 bis 4 Zentimeter schrumpfen lässt. Die bunten Fenster wurden aufwendig aufgedoppelt und entsprechen nun den aktuellen Standards. Für die Wohnungstüren musste ebenfalls eine spezielle Lösung ge-funden werden. Sie mussten längs gespalten und in einem Sandwichverfahren neu aufgebaut werden, um den neusten Sicher-heitsstandards der Feuerwehr Genüge zu leisten und gleichzeitig die alte Ästhetik der verglasten Türen zu erhalten.

Demgegenüber war der Ersatz der Gasheizung schon fast eine einfachere Übung. Dank Erdsondenbohrungen bis 200 Meter Tiefe konnte eine klimafreundliche Lösung realisiert werden. Zudem können die Räumlichkeiten im Sommer dank Free-Cooling etwas gekühlt werden, was wiederum ein angenehmes Wohnklima gibt. Die CO2-Einsparung pro Jahr gegenüber vor der Sanierung beträgt beachtliche 10 Kilogramm. Wurden zuvor 12 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter ausgestossen, sind es heute gerade mal 2 Kilogramm. 

Ach ja, auch die Bäder und Küchen wurden hochwertig saniert und auf den neusten Stand gebracht, und bei der Gartenbepflan-zung wurde auf einheimische Gewächse geachtet. Ein Detail am Rande: Die Zäune zwischen den Landparzellen wurden in der Höhe so gestaltet, dass sich Igel und andere Kleinsäuger hindernisfrei bewegen können. Der Oldtimer ist wieder fahrtauglich, hat die Strassenzulassung erhalten und ist mit dem SNBS-Label* ausgestattet. Die Mieterinnen und Mieter geniessen mit gutem Gewissen die Aussicht auf Stadt und See.

Mögen die eingangs erwähnten Bundesräte und Erfinder längst in Vergessenheit geraten sein – das Gebäude an der Huttenstrasse wird sicher weitere 50 Jahre in bewohnbarer Erinnerung bleiben.

* SNBS kurz erklärt
Mit dem Label SNBS Hochbau wurde ein übergreifendes Konzept für das nachhaltige Bauen in der Schweiz geschaffen. Es deckt das Gebäude an sich und den Standort im Kontext seines Umfeldes ab und ermöglicht es, die Bedürfnisse von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt gleichermassen und umfassend in Planung, Bau und Betrieb miteinzubeziehen. Voraussetzung hierfür ist die Sicht auf den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie.
 

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01.07.2022

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