Anpassung der technischen Grundlagen per 2022

Senkung des Zinssatzes sorgt für mehr Gerechtigkeit

Die BVK senkt per 2022 den technischen Zinssatz von 2 auf 1,75%. Damit wird auch der Umwandlungssatz um knapp 0,2 Prozentpunkte reduziert. 

Tiefere erwartete Rendite
Aufgrund des tiefen Zinsniveaus ist die Renditeerwartung in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Erwarteten wir vor fünf Jahren noch eine durchschnittliche jährliche Rendite von 2,8%, liegt diese aktuell bei nur rund 2,2% bei gleichbleibender Risikobereitschaft. Dies muss so akzeptiert werden, da die laufenden Renten mit einer fixen Verzinsung garantiert sind, was Investitionen in risikoarme – also festverzinsliche – Anlagen voraussetzt. Eine Flucht in Anlagen mit höherem Rendite- und folglich höherem Risikopotenzial ist durch diese Rentengarantie nur beschränkt möglich. Sie muss auch in einem schlechten Anlagejahr bezahlt werden. Aufgrund dieser tiefen Renditeerwartung war der Stiftungsrat gezwungen, die technischen Grundlagen anzupassen und den Umwandlungssatz zu reduzieren.

Geld für Abfederung und Besitzstand
Je näher man an der Pensionierung ist, umso schwieriger ist es für versicherte Personen, nach einer solchen Massnahme zu reagieren. Deshalb hat die BVK verschiedene Abfederungsmassnahmen vorgesehen. Für alle Aktivversicherten, die im Jahr 2021 mindestens 60 Jahre alt sind, gilt der Besitzstand. Als Besitzstand wird die Rente garantiert, die man bei einer Pensionierung per 31. Dezember 2021 erhalten hätte. Dieser Besitzstand wird reduziert, falls sich das Sparguthaben durch einen Bezug (z.B. Vorbezug für Wohneigentumsförderung) verringert. Gänzlich fällt der Besitzstand weg, wenn  die Arbeit beim gleichen Arbeitgeber nach der Alterspensionierung, entweder nahtlos oder binnen weniger als sechs Monaten, weitergeführt wird. 

Gleichzeitig werden allen Aktivversicherten über 21 Jahre ab dem Jahr 2022 während fünf Jahren Aufwertungsgutschriften ausbezahlt. Die Höhe der Aufwertungsgutschrift wird nach Alter gestaffelt. Aktivversicherte mit Jahrgang zwischen 2000 und 1974, die vor dem 1. Januar 2022 in die BVK eintreten, bekommen 2 Prozent ihres Sparguthabens als Aufwertungsgutschriften. Aktivversicherte mit dem Jahrgang 1973 und älter bekommen 3,2 Prozent ihres Sparguthabens als Aufwertungsgutschriften. Als Berechnungsgrundlage gilt das Sparguthaben per 31. Dezember 2021. Miteingerechnet werden dabei auch allfällige bis dahin getätigten Einkäufe oder Rückzahlungen aus einem Vorbezug für Wohneigentumsförderung. Nicht aufgewertet werden die Guthaben in den Zusatzvorsorgeplänen (Gesamt-, Ergänzungsvorsorge). 

Aufwertung und/oder Besitzstand werden für jede versicherte Person individuell berechnet. Die tagesaktuell und individuell berechneten Zahlen sind für Kunden der BVK im Kundenportal myBVK jederzeit abrufbar. Für Versicherte ab Alter 55 konnte die Rentenkürzung auf 0 bis 2% beschränkt werden. Sollte bei über 60-Jährigen im Laufe der Zeit die garantierte Rente durch Beitragszahlungen überschritten werden, wird selbstredend die höhere Rente ausbezahlt. Bei Kündigung des Anschlussvertrages verlieren die Versicherten sowohl die Besitzstandesgarantie als auch die noch offenen Aufwertungsgutschriften. Auch wenn eine versicherte Person die BVK - etwa durch einen Stellenwechsel verlässt - verfallen die bis dahin noch offenen Aufwertungsgutschriften. 

An dieser Stelle ist es uns wichtig darauf hinzuweisen, dass dem Umwandlungssatz in jüngeren Jahren ein zu grosses Gewicht beigemessen wird. Dieser Prozentsatz ist aber erst wichtig, wenn es um die konkrete Planung des dritten Lebensabschnitts geht. Bis dahin ist es viel wichtiger, das Sparguthaben zu äufnen. Bei der BVK ist das durch hohe Sparbeiträge und eine arbeitnehmerfreundliche Aufteilung von 60/40 Prozent möglich. Weiter kann das Sparkonto mit einem Einkauf oder der Wahl einer Beitragsvariante positiv beeinflusst werden. In myBVK lassen sich dazu Berechnungen und Simulationen machen, die über die zweite Säule hinausgehen.

Die angepassten Umwandlungssätze ab 1. Januar 2022

*Seit 2019 besteht die Möglichkeit einen höheren Umwandlungssatz zulasten der Hinterbliebenenrente zu wählen.

Alter

Umwandlungssatz Standard*

Umwandlungssatz ausserodentlich*

65 (Jahrgang 1957)

4,67%

4,91%

64 (Jahrgang 1958)

4,54%

4,76%

63 (Jahrgang 1959)

4,41%

4,62%

62 (Jahrgang 1960)

4,29%

4,48%

61 (Jahrgang 1961)

4,18%

4,36%

60 (Jahrgang 1962)

4,07%

4,24%

Dank den oben beschriebenen Abfederungsmassnahmen, kann die Reduktion des Umwandlungssatzes weitgehend kompensiert werden. Für Versicherte ab Alter 55 wird zum Beispiel die Rentenkürzung damit auf 0 bis 2% beschränkt.

Reglementsanpassungen per Januar 2022 im Überblick

Per Januar 2022 hat der Stiftungsrat einige Änderungen beschlossen. Dazu gehört etwa die Reduktion des technischen Zinssatzes und Umwandlungssatzes mit gleichzeitigen Abfederungsmassnahmen. 

Das Vorsorgereglement der BVK erfährt per 1. Januar 2022 folgende massgeblichen Änderungen:

Bei teilweiser Berufsinvalidität wird die Rente entsprechend dem Invaliditätsgrad wie folgt festgesetzt:
Bis 24%: keine Rente
25 bis 69%: Rente gemäss Grad der Invalidität
70% und mehr: ganze Rente
(die bisherige Dreiviertelrente bei einen Grad der Invalidität zwischen 60 und 69% entfällt. Für Personen, die bereits heute eine Dreiviertelrente beziehen, gilt der Besitzstand.) (Art. 41 Abs. 2)

Bei teilweiser Erwerbsinvalidität wird die Rente entsprechend dem Invaliditätsgrad wie folgt festgesetzt:
Bis 24%: keine Rente
25 bis 69%: Rente gemäss Grad der Invalidität
70% und mehr: ganze Rente
(die bisherige Dreiviertelrente bei einen Grad der Invalidität zwischen 60 und 69% entfällt. Für Personen, die bereits heute eine Dreiviertelrente beziehen, gilt der Besitzstand.) (Art. 43 Abs. 2)

Die Änderung des Grades der Invalidität wird als «erheblich» betrachtet, wenn sich der Grad der Invalidität um mehr als 5 (vorher 10) Prozentpunkte verändert. (Art. 80 Abs. 2) Die Erheblichkeit einer Änderung des Invaliditätsgrades bestimmt sich nach dem im Zeitpunkt der Überprüfung geltenden Schwellenwert. (Art. 108 Abs. 1)

Langfristig wird eine Verzinsung der Sparguthaben mindestens zum technischen Zinssatz gemäss Anhang I zum Reglement über die versicherungstechnischen Rückstellungen angestrebt. (Art. 97 Abs. 1)

  • Alle versicherten Personen erhalten Aufwertungsgutschriften, je nach Jahrgang 2 oder 3,2 Prozent des Sparguthabens per 31. Dezember 2021. Diese Gutschriften werden in 60 Monatsraten ausbezahlt. (Art. 109)
  • Aufwertung und Weiterführung der Sparguthaben von Rentenbeziehenden (die Weiterführung erfolgt nach Massgabe des «Standard»-Sparplans). (Art. 110)
  • Personen, die am 1. Januar 2022 das 60. Altersjahr vollendet haben, erhalten mindestens die Rente, die sich per 31. Dezember 2021 ergeben hätte (Besitzstand). Der Besitzstand wird bei Verminderung des Sparguthabens (z.B. Kapitalbezug für Wohneigentumsförderung) anteilsmässig gekürzt. Der Besitzstand fällt gänzlich weg, wenn die Arbeit beim gleichen Arbeitgeber, entweder nahtlos oder binnen weniger als 6 Monaten, weitergeführt wird. (Art. 111)

Bei Neuanschlüssen, die nicht voll eingekauft sind, reduzieren sich die Abfederungsmassnahmen gemäss Art. 109. (Art. 112 Abs. 4)

Die Kosten- und Gebührenansätze beruhen neu auf dem Landesindex der Konsumentenpreise per 31. Dezember 2015 (vorher: 31. Dezember 2010) (Anhang I / D)

Aufgrund der Anpassungen des technischen Zinses werden die Umwandlungssätze angepasst. (Anhang IV)

Die Richtgrössen für die Gewährung von Leistungsverbesserungen auf laufenden Renten (Kohorten-Modell) wurden nachgeführt. (Anhang VI)

Bei Veränderung der technischen Grundlagen (siehe oben) erfolgt weder in der Gesamtvorsorge noch in der Ergänzungsvorsorge eine Abfederung (je Art. 45 der entsprechenden Reglemente)

Die Reglemente gültig ab 1. Januar 2022

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