Plötzlich wird es digitaler

Wer hätte das gedacht? Niemand. Wir wollten es nicht wahrhaben. Wir konnten es nicht glauben. Schliesslich liess der Frühling gerade «sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte» (Mörike). Wir stellten uns auf Blumenblühen und Zeit im Freien ein. Und dann das: Coronavirus!

Isolation, Desintegration, Dezentralisierung – quasi die Zerschlagung der gängigen schweizerischen Gesellschaftsnormen. Plötzlich kein Arbeitsalltag im gewohnten, sondern im von der Familie mitbewohnten Büro. Für Detailhändler heisst es den Laden dicht machen; für Dienstleister die Dienstleistung nicht mehr im direkten Kontakt ausführen. Wo das nicht möglich ist (Coiffeure, Service-, Verkaufspersonal etc.), werden Zukunftsängste wach.

Digitale statt telefonische Auskunft

Glücklich sind Dienstleister, die ihr Angebot digital weiterführen können. Die BVK beispielsweise hat gerade in den vergangenen Jahren grosse Schritte Richtung Digitalisierung gemacht. Seit Beginn dieses Jahres ist das Kundenportal myBVK online. Was als zusätzliche Dienstleistung am Kunden geplant war, wo jederzeit spielerisch mit persönlichen Daten Berechnungen und Simulationen durchgeführt werden können, wird plötzlich zu einem ersten wichtigen Schritt in der Beratung der BVK.

Durch die Dezentralisierung der Arbeitsleistungen in Hunderte von Home Offices ist der telefonische Kontakt eingeschränkt. Es wäre doch so viel einfacher, wenn die Kunden weiterhin einfach schnell anrufen und unsere Kundenberaterinnen und Kundeberater sie, wie üblich, im direkten Gespräch beraten könnten. Jetzt gilt es, einen scheinbaren Umweg zu gehen, der aber auch zu einer Abkürzung werden könnte. Durch die Möglichkeiten des Kundenportals können erste Resultate bereits eingesehen werden und das gewünschte Gespräch (die BVK ruft gerne zurück – das funktioniert einwandfrei) wird zum vertiefenden Fachgespräch.

Hoffentlich bald eine Frühlingsanekdote

Und so wird sich eine neue Ordnung ergeben, bevor zur alten Ordnung zurückgekehrt werden kann. Da bleiben wir schweizerisch. Wir trotzten in der Weltgeschichte schon mancher Krise und sind zuversichtlich, auch dieses Coronavirus in den Griff zu bekommen – zusammen mit ganz vielen anderen Ländern. Wir sind uns sicher, dass wir in einigen Jahren unter der Rubrik «Weisch no …?» Anekdoten von ausverkauftem Toilettenpapier und mit Videobotschaften unterrichtenden Lehrpersonen zum Besten geben werden.

Ach ja, und auch dann wird es wieder Frühling:

Er ist’s

Frühling lässt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte;

Süsse, wohlbekannte Düfte

Streifen ahnungsvoll das Land.

Veilchen träumen schon,

Wollen balde kommen.

Horch, von fern ein leiser Harfenton!

Frühling, ja du bist’s!

Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike (1804–1875, deutscher Erzähler, Lyriker und Dichter)

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