Telefonbetrug: ein lukratives Geschäftsmodell
Betrügereien eindämmen
Im ersten Halbjahr verzeichnete die Kantonspolizei Zürich rund 70 Telefonbetrugsfälle mit einem Schaden von mind. ca. 2,7 Millionen Franken.
Jörg Müller ist Dienstchef bei der Präventionsabteilung der Kantonspolizei Zürich. Er gibt Auskunft über die wichtigsten Punkte und wie man sich vor Telefonbetrug schützen kann.
Gibt es verschiedene Arten von Telefonbetrug?
Jörg Müller: Ja, ursprünglich war der Telefonbetrug unter dem Begriff «Enkeltrick» bekannt geworden, aktuell agieren die Täter mit fiktiven Unfallmeldungen. Mit sogenannten «Schockanrufen» täuschen sie eine Notfallsituation vor. Sie erschrecken die Angerufenen mit einer Unfallgeschichte und erklären, dass eine nahestehende Person den Unfall verursacht oder erlitten hat und nun dringend auf die Hilfe angewiesen ist. Sie sollen mit Geld oder anderen Wertsachen Hilfe leisten. In den meisten Fällen wird eine Kaution für die bevorstehende Untersuchungshaft oder eine finanzielle Leistung für medizinische Sofortbehandlungen gefordert.
Wie gehen die Betrüger vor?
Die Betrüger setzen am Telefon bewusst auf den Schockmoment und setzen ihre Opfer zeitlich unter Druck, um sie zu schnellen Handlungen (Geldzahlungen) zu drängen.
Was tun?
- Lassen Sie sich am Telefon nicht zu kurzfristigen und unüberlegten Entscheidungen drängen. Polizei oder Staatsanwaltschaft verlangen niemals Bargeld oder Wertgegenstände von Ihnen, um jemanden vor einem Gefängnisaufenthalt zu bewahren.
- Lassen Sie sich am Telefon niemals unter Druck setzen
- Unterbrechen Sie den Anruf und erkundigen Sie sich direkt bei Ihren Familienangehörigen nach dem Wohlbefinden. Setzen Sie sich mit der richtigen Polizei in Verbindung, wenn Sie ihre Verwandten/Bekannten nicht erreichen können.
- Zahlen Sie niemals ohne weitere Abklärungen für angebliche Unfallkosten.
Sind nur ältere Menschen betroffen?
Nein. Der Schockanruf kann auch eine Tochter oder einen Sohn treffen, die wegen einer erfundenen Unfallgeschichte ihrer Eltern tangiert werden. Somit altersunabhängig.
Man liest von Erfolgen, wo Leute so lange «mitspielten» bis es zu einer Überführung kam. Ist das sinnvoll?
Nein. Wenn Telefonbetrüger über einen längeren Zeitraum hinweg agieren, dann raten wir dringend, sofort mit der örtlichen Polizei Kontakt aufzunehmen.
Wann ist Vorsicht geboten?
Grundsätzlich immer dann, wenn die Anrufenden nicht bekannt sind und Geld fordern. Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter www.telefonbetrug.ch. Über diese Website der Kantonspolizei Zürich besteht überdies die Möglichkeit, Vorfälle zu melden und einen Newsletter über die aktuellsten Betrugsmaschen zu abonnieren.
Kann es zu gefährlichen Situationen kommen? Wenn Ja, wie handeln?
Nein, grundsätzlich nicht. Oftmals reagieren Angerufende jedoch aufgrund der Reaktionen der Telefonbetrüger verunsichert und machen von unserem kostenlosen Angebot von Einbruchsicherheitsberatungen Gebrauch.
Es gibt bereits Betrugsanrufe, wo scheinbar die Ehefrau am Telefon ist. Die Stimme wird nach einigen «Werbeanrufen» durch KI erzeugt. Wie geht man dagegen vor?
Uns sind keine solchen Fälle bekannt. Im Schockmoment sind abgespielte, fremde schreiende Stimmen im Hintergrund wohl kaum von eigenen Angehörigen zu unterscheiden.
Für Informationen und Fragen:
www.telefonbetrug.ch
praevention@kapo.zh.ch
058 648 14 10

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